Wie Computer unsere Art zu denken verändern
this am 24. März 2007Chris Crawford, ein Computerspiele-Entwickler und Autor aus Jacksonville, hat in seinem Vortrag am Frankfurter Kongress Kulturzone06 letzten Sommer dazu eine interessante These vertreten.
Ausgegangen ist er von der These, dass die Erfindung der Schrift unsere Art zu denken in linear-logische Bahnen geleitet hat, da Lesen und Schreiben logisch-linearen Gesetzen folgen. Dieses Denken ist allerdings für uns Menschen äusserst mühsam und liegt uns eigentlich nicht.
Dank den Computern, die zumindest schon einmal das Rechnen für uns übernehmen, breche nun eine neue Ära an. Er nennt diese die Ära vom Möglichkeitsdenken. Computerprogramme erlauben es uns mit der Rückgängig-Funktion, verschiedene Variationen auszuprobieren. Die neuen mentalen Leitsätze lauten: «Wie wäre es, wenn ich diesen Abschnitt mit jenem austausche oder ihn zumindest umformuliere?», «Was wäre, wenn ich hier einen leicht andern Farbton wähle?» oder «Könnte mit dieser Schriftart der Text vielleicht noch besser aussehen?».
All jene, die mit dem Computer auf Kriegsfuss stehen, werden nun vielleicht einwenden, dass dies gar nicht ihre Leitsätze seien und ihre Leitsätze eher so lauten würden: «Wo zum Teufel, kann ich…?», «Wieso gibt es nicht einfach die Möglichkeit, … zu …?» oder «Gibt es einen Computergott, der mich als einzigen Menschen auf dieser Welt hasst und verachtet oder ist es eine andere höhere Macht, die sich gegen mich verschworen hat?»
Gemäss Crawford liegt das daran, dass Leute, die Computerprogramme schreiben, eben ganz viele Optionen einbauen, die kein normal denkender Mensch kennt, geschweige denn braucht, dafür aber all jene weg lassen, die so Manches einfacher machen würden. Das Programmieren ist noch ziemlich kompliziert und kann somit nur von Spezialisten geleistet werden, wie früher das Schreiben und Lesen nur Gelehrten möglich war.
In nicht allzu ferner Zukunft soll die ganze Sache einfacher werden und wir können dann das Programmieren mit ähnlichem Zeitaufwand erlernen wie heute Lesen und Schreiben – zumindest dann, wenn Chris Crawford mit seiner Vision richtig liegt.
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