Weizenbaum und seine Kritik
this am 20. März 2008Joseph Weizenbaum, ein Pionier der Computerforschung und Kritiker der blinden Computereuphorie, ist am 7. März 2008 gestorben. Seine Kritik bleibt der Nachwelt hoffentlich erhalten.
In einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung, den er anlässlich seines Geburtstags verfasste, schrieb Joseph Weizenbaum:
“Die höchste Priorität der Schule ist es, den Schülern ihre eigene Sprache beizubringen, so dass sie sich klar und deutlich artikulieren können: in ihrer stillen Gedankenwelt ebenso wie mündlich und schriftlich. Wenn sie das können, dann können sie auch kritisch denken und die Signale, mit denen sie ihre Welt überflutet, kritisch interpretieren. Wenn sie das nicht können, dann werden sie ihr ganzes Leben lang Opfer der Klischees und Schablonen sein, die die Massenmedien ausschütten.
Quelle: St. Galler Tagblatt, 8. März 2008, S.30.
Aschenputtel Fernsehen und Prinzessin Multimedia
Der Computer hat als Vermittler von Information einen seriöseren Ruf als das Medium Fernsehen mit seinen flüchtigen Inhalten. Im Alltagsgebrauch, stehen Computer, insbesondere das Internet als Massenmedium, dem Fernsehen in wenig nach. Ungenügende Qualität der Inhalte und schlechte Darstellung dominieren. Wenn Medienanalphabeten Medientexte verfassen, kann man sich ausrechnen, was dabei heraus kommt.
Oder in den Worten von Weizenbaum:
Wir dürfen nicht vergessen, dass das Internet mittlerweile ein Massenmedium ist. Und es scheint beinahe ein Naturgesetz zu sein, dass jedes Massenmedium zu fünfundneunzig Prozent Unsinn produziert. [...] Es ist immer dasselbe: Am Anfang waren mit den Massenmedien – Radio, Fernsehen – Wünsche, Visionen und Hoffnungen verbunden. Man war allgemein optimistisch, sogar euphorisch. Man erwartete beispielsweise, dass die allgemeine BIldung der Menschen verbessert würde.
Quelle: Weizenbaum, Joseph: Wo sind die Inseln der Vernunft im Cyberstrom. Auswege aus der programmierten Gesellschaft. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 2006.
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