Verlernt, Ziel und Tempo selbst zu bestimmen
this am 9. Februar 2008Die Medienpsychologin Hertha Sturm hat in ihren Arbeiten vom «Entlanghangeln an Bildern» beim Fernsehen gesprochen, wenn die Schnitte und Themensprünge zu kurz aufeinander folgen. Es ist das Resultat einer schlechten Dramaturgie, der die nötigen «Halbsekunden» fehlen. Zuschauer sind auf Pausen angewiesen, damit sie dazu- und mitdenken können. Die Metapher des «Entlanghangelns» für die innere Reaktion auf unzureichende Wahrnehmungszeit («fehlende Halbsekunde») kann auf das Internet angewandt werden.
Eifrig wird verlinkt, was verlinkt werden kann – Motto: «Hauptsache nie langweilig». Der Nutzer hangelt sich in der Folge von Link zu Link, von Seite zu Seite, greift hier einen Abschnitt, dort ein Bild, hier ein Filmchen, dort einen Podcast, alles meist flüchtig, das wenigste ganz und oft eher zufällig als informationsorientiert. Kommt hinzu, dass viele Nutzer den wichtigen Inhalten auf dem Bildschirm nicht die volle Aufmerksamkeit schenken. Die Ursachen dafür sind vielfältig (eine neue E-Mail, eine aufmerksamkeitshaschende Flashanimation).
Im Endeffekt sind ist man danach nicht wirklich informationsreicher sondern zeitärmer. Die Nutzer fokussieren nicht, sie surfen vielmehr an den Themen vorbei.
Was fehlt sind erlernte Umgangsformen
Im Gegensatz zum Fernsehen können wir theoretisch selbst steuern, wie sorgfältig und weit wir Texte lesen, bevor wir zum nächsten Link springen und welche Seiten wir anklicken.
Das Problem ist nur, dass meist das Bewusstsein dafür fehlt, dass informationsorientierte Internetnutzung ein hohes Mass an Disziplin und Konzentration erfordert.
Weiterführende Links
0 Kommentare
Einen Kommentar hinterlassen
Mehr Lesen
« Und jährlich grüsst die Mitgliedschaft
Weizenbaum und seine Kritik »
BlogMedia