Merz, Polanski, Kachelmann, Rappaz – Spiel mit der öffentlichen Meinung

Wenn Massenmedien Richter spielen und mit der öffentlichen Meinung jonglieren, ist dies gefährlich.

In einer Gesellschaft gibt es verschiedene Systeme. Das Informationssystem hat die Aufgabe Informationen zu verbreiten, wenn sie einen hohen Nachrichtenwert besitzen. Der Wert einer Information besteht aus zwei Teilen: 1. Relevanz und 2. Aktualität.

Was in neuerer Zeit allerdings geschieht ist, dass die Medienmacher aktiv an der Relevanz eines Themas schrauben, um Präsenz als Meinungsführer zu markieren und dadurch ihr Medium besser zu positionieren. Dabei wird versucht, einen Skandal mit mehr Details aufzupumpen, was einer Boulevardisierung der öffentlichen Meinung gleich kommt. Dem Publikum wird mit der steten Präsenz eines Themas vorgegaukelt, es sei besonders relevant. Man schämt sich fast, wenn man sich zu diesem Thema keine Meinung gebildet hat.

Das Problem ist, dass die öffentliche Meinung die Macht hat, in das Rechtssystem oder das politische System einzugreifen. Das Aufzeigen von Missständen ist zwar eine wichtige Aufgabe der Medien und trägt zum Funktionieren einer Demokratie bei. Der Primeur-Druck, der beim Aufbau solcher Skandal-Wellen herrscht, birgt aber die Gefahr, dass Halbwahrheiten verbreitet werden, die für den Betroffenen fatale Folgen haben können. Die Entlassung des Botschafters Thomas Borer ist nur ein Beispiel. Auch das Herauslösen des Indianer-Vergleichs von Peer Steinbrück aus dem Zusammenhang (er verwies auf einen militärgeschichtlichen Schachzug, wodurch sich Indianer vor einer Kavalerie fürchteten, die es gar nicht gab – sinnbildlich für die schwarze Liste ) hatte regelrechte Hasstiraden gegen den ehemaligen deutschen Finanzminister zur Folge.

Es ist ein gefährliches Spiel, das die Medie da treiben. Beherrschen Interessensgruppen oder Einzelpersonen das Spiel mit der öffentlichen Meinung, können ihnen unbequeme Politiker innert kürzester Zeit entmachtet werden.

Mündige Bürger sollten derartige Spiele durchschauen (lernen) und sich von dieser Art der aufgezwungen Meinungsmache emanzipieren. Denn den Stil eines Mediums steuert man über die Hände, die es füttern und über Feedback-Kanäle wie Leserbriefe oder Online-Kommentare.

| 25th August, 2010 | Veröffentlicht unter Medienbildung, Medienkritik |

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