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Liebe dumme Leser, ihr wollt es doch so!

this am 3. Mai 2007

Es ist eine Frechheit, dass sich Medienmacher wie Verleger erdreisten, die Schuld an ihrem langweiligen Einheitskurs und der Boulevardisierung ihrer Programme auf die Leser, Hörer und Zuschauer abzuwälzen.

Eine Journalistin schrieb in der Weltwoche vom 26. April 2007:

«Der mediale Alltag lehrt uns, dass die meisten Journalistinnen und Journalisten längst nicht mehr entlang ihren Überzeugungen schreiben, sondern sich immer mehr an den Bedürfnissen einer Leserschaft orientieren, deren Denkbereitschaft dramatisch abnimmt und für die sich die Qualität eines Mediums nicht an der Art der Behandlung politischer Themen misst, sondern am Unterhaltungswert.»

Hallo!? Demnächst verkünden dann wohl auch die Geschäftsleitungen der grossen Fastfood-Konzerne mit Tränen in den Augen, dass sie eigentlich immer schon lieber Feinschmeckerlokale mit einem Angebot an gesunder Kost eröffnet hätten, aber der Pöbel damit leider nichts anzufangen wisse.

Weiter schreibt sie:

«Unterstützt wird diese Entwicklung durch 20-Minuten-Zeitungen, die man in fünf Minuten gelesen hat, oder durch die Fernsehprogramme, die sich gegenwärtig in einem so rasanten Tempo nach unten nivellieren, dass bereits das schwarze Loch erkennbar ist.»

20 Minuten unterstützt diese Entwicklung nicht, sondern hat eine Marktlücke besetzt. Es ist eine Pendlerzeitung, hat als solche durchaus ihre Berechtigung und wird von den meisten Menschen auch nicht als Tageszeitungsersatz gelesen.

Meiner Meinung und Erfahrung nach gehen Hörer, Leser und Zuschauer durchaus pragmatisch mit den Medienprodukten um. Sie haben gelernt, das alles nicht so ernst zu nehmen, was geschrieben, gesendet und ausgestrahlt wird. Ich glaube sogar, dass sich viele insgeheim schon lange wünschen, die Medienmacher möchten wieder mehr auf Qualität setzen. Dass sich dies (noch) nicht in Hörer-, Zuschauer-, und Leserzahlen zeigt, daran und maximal daran sind die Medienkonsumenten selbst schuld.


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1 Kommentar

  1. Andreas Haderlein schrieb am 13. Juli 2007:

    … wahre Worte. Und wer die Leser- und Hörerschaften als stupide Masse auffasst, der kann mal in Michel de Certeau’s “Die Kunst des Handelns” blättern. Pragmatismus ist eine Taktik! Die Medienmacher und Medienhäuser hingegen müssen ihre strategischen Wege in einer enthierarchisierten Medienöffentlichkeit noch finden. Qualität ist gewiss einer davon, aber nicht der einzigste.

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