Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer hat nach seinem Vortrag «Lernen mit Gefühl; Gehirnforschung, Emotion und Lernprozesse» die Frage beantwortet, ob Bildschirme auch Wissensvermittler sein können. Er meinte sinngemäss, man könne Bildschirmmedien durchaus als Lernmedien einsetzen. Gleichzeitig beklagte Spitzer, dass der grösste Teil des von Bildschirmmedien Gelernten intentionale Inhalte (Werbung, Propaganda oder sonstige Beeinflussung) oder fiktionale Inhalte (z.B. Gewalt oder andere falsche Verhaltensmuster) seien. Denn Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen von massenmedial verbreiteten Inhalten – auch wenn es sich nicht um Lerninhalte handelt. Analog zu Paul Watzlawiks Man kann nicht nicht kommunizieren, kann man gemäss Spitzer nicht nicht lernen.
Bis zum 18. Lebensjahr habe man heutzutage, so Spitzer, über Bildschirmmedien durchschnittlich 20 000 Gewalttaten gesehen und dabei gelernt:
(Quelle: Manfred Spitzers Vortrag «Lernen mit Gefühl; Gehirnforschung, Emotion und Lernprozesse», Mittwoch, 6. Mai 2009, Kantonsschule Heerbrugg)
Mediale Gewalt ist mit Sicherheit kein derart harmloser Faktor, wie die Unterhaltungsindustrie uns seit Jahren weiss machen will.
Dass medial erlebte Gewalt einen unmittelbaren Nachhall in die Realität hat, wiesen die Psychologen Brad Bushman und Craig Anderson in einem Experiment (siehe S. 9 des PDFs) nach. Die beiden Experimente, in denen die Probanden auf ihre Hilfsbereitschaft hin untersucht wurden, zeigten, dass die Abstumpfung durch Gewalt in den Medien unser tägliches Hilfeverhalten beeinflusst.
Die Probanden, die 20 Minuten lang ein «Prügelspiel» gespielt hatten, brauchten im Schnitt über eine Minute, bis in eine vermeinlich echte Schlägerei eingriffen, die von Schauspielern vorgetäuscht wurde. Die Probanden jener Gruppe, die sich mit Geschicklichkeitsspielen vergnügt hatte, eilte im Schnitt bereits nach 16 Sekunden zu Hilfe.
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