BlogMedia http://www.blogmedia.ch/blog Medienkritik Mon, 01 Mar 2010 06:49:30 +0000 en hourly 1 Polanski – die öffentliche Meinung ist nicht gefragt! http://www.blogmedia.ch/blog/polanski-die-oeffentliche-meinung-ist-nicht-gefragt http://www.blogmedia.ch/blog/polanski-die-oeffentliche-meinung-ist-nicht-gefragt#comments Fri, 02 Oct 2009 22:03:54 +0000 this http://www.blogmedia.ch/blog/?p=122 Entwicklungen wie die neueren Skandale, bei welchen die Massenmedien Richter spielen und mit der öffentlichen Meinung jonglieren, sind gefährlich.

In einer Gesellschaft gibt es verschiedene Systeme. Das Informationssystem hat die Aufgabe Informationen zu verbreiten, wenn sie einen hohen Nachrichtenwert besitzen. Der Wert einer Information besteht aus zwei Teilen: 1. Relevanz und 2. Aktualität.

Was in neuerer Zeit allerdings geschieht ist, dass die Medienmacher aktiv an der Relevanz eines Themas schrauben, um Präsenz als Meinungsführer zu zeigen und dadurch ihr Medium besser zu positionieren. Ständig wird versucht, einen Skandal mit mehr Details aufzupumpen. Dem Publikum wird mit der steten Präsenz eines Themas vorgegaukelt, es sei besonders relevant. Man schämt sich fast, wenn man sich zu diesem Thema keine Meinung gebildet hat.

Das Problem ist, dass die öffentliche Meinung die Macht hat, in das Rechtssystem und das politische System einzugreifen. Die Entlassung des Botschafters Borer ist nur ein Beispiel.

Es ist ein gefährliches Spiel, das die Medien da treiben. Beherrschen Interessensgruppen oder Einzelpersonen das Spiel mit der öffentlichen Meinung, können ihnen unbequeme Politiker innert kürzester Zeit entmachtet werden.

Mündige Bürger sollten derartige Spiele durchschauen (lernen) und sich von dieser Art der aufgezwungen Meinungsmache emanzipieren. Denn den Stil eines Mediums steuert man über die Hände, die es füttern und über Feedback-Kanäle wie Leserbriefe oder Online-Kommentare.

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Gewalt am Bildschirm, Gewalt im Hirn http://www.blogmedia.ch/blog/gewalt-am-bildschirm-gewalt-im-hirn http://www.blogmedia.ch/blog/gewalt-am-bildschirm-gewalt-im-hirn#comments Wed, 13 May 2009 15:47:33 +0000 this http://www.blogmedia.ch/blog/?p=98 Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer hat nach seinem Vortrag «Lernen mit Gefühl; Gehirnforschung, Emotion und Lernprozesse» die Frage beantwortet, ob Bildschirme auch Wissensvermittler sein können. Er meinte sinngemäss, man könne Bildschirmmedien durchaus als Lernmedien einsetzen. Gleichzeitig beklagte Spitzer, dass der grösste Teil des von Bildschirmmedien Gelernten intentionale (Werbung, Propaganda, oder sonstige Beeinflussung) oder fiktionale (z.B. Gewalt falsche Verhaltensmuster) Inhalte seien. Denn Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen von massenmedial verbreiteten Inhalten – auch wenn es sich nicht um Lerninhalte handelt. Unser Gehirn macht da offenbar keinen grossen Unterschied.

Bis zum 18. Lebensjahr habe man heutzutage, so Spitzer, über Bildschirmmedien durchschnittlich 20 000 Gewalttaten gesehen und dabei gelernt:

  • Gewalt tut nicht weh
  • Der Täter kommt in den meisten Fällen davon

(Quelle: Manfred Spitzers Vortrag «Lernen mit Gefühl; Gehirnforschung, Emotion und Lernprozesse», Mittwoch, 6. Mai 2009, Kantonsschule Heerbrugg)

Nun gibt es Leute, die sagen, mediale Gewalt ist nur ein Faktor unter vielen. Das ist richtig. Sie ist dennoch ein Faktor und mit Sicherheit kein derart harmloser, wie die Unterhaltungsindustrie uns seit Jahren weiss machen will.

Dass medial erlebte Gewalt einen unmittelbaren Nachhall in die Realität hat, wiesen die Psychologen Brad Bushman und Craig Anderson in einem Experiment (siehe S. 9 des PDFs) nach. Die beiden Experimente, in denen die Probanden auf ihre Hilfsbereitschaft hin untersucht wurden, zeigten, dass die Abstumpfung durch Gewalt in den Medien unser tägliches Hilfeverhalten beeinflusst. Jene Gruppe, die ein nach 20 Minuten an einem «Prügelspiel», mit einer von Schauspielern vorgetäuschten echten Prügelei konfrontiert wurden, brauchten im Schnitt über eine Minute, um nach dem Rechten zu sehen. Jene Gruppe, welche sich mit Geschicklichkeitsspielen vergnügt hatte, eilte im Schnitt bereits nach 16 Sekunden zu Hilfe.

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Aufklärung 2.0 http://www.blogmedia.ch/blog/aufklaerung-20 http://www.blogmedia.ch/blog/aufklaerung-20#comments Wed, 13 May 2009 15:16:41 +0000 this http://www.blogmedia.ch/blog/?p=91 Presse und Bücher haben als Massenmedien dank der zunehmenden Alphabetisierung in Europa die Aufklärung voran getrieben und mitgeholfen, das Feudalsystem zu kippen. Es handelt sich hier also um eine Demokratisierung, die vom Zweigespann Alphabetisierung und Presse voran getrieben wurde.

Im Sinne der Radiotheorie von Brecht kämpften Protagonisten wie Hans Magnus Enzensberger für eine Demokratisierung der Massenmedien – zunächst unter sozialistisch geprägten Vorzeichen. Stichworte: «offene Kanäle» und «Bürgerrundfunk». Presse und Bücher haben als Massenmedien dank der zunehmenden Alphabetisierung in Europa das Zeitalter der Aufklärung voran getrieben und mitgeholfen, das Feudalsystem zu kippen. Es handelt sich hier also um eine Demokratisierung, die vom Zweigespann Alphabetisierung und Presse voran getrieben wurde. Im Sinne der Radiotheorie von Brecht kämpften Protagonisten für den Sozialismus und gegen den Kapitalismus, Stichworte: Produktionsstrukturen, offene Kanäle und Bürgerfunk. Brecht selbst nutzte den Volksempfänger auch im Kampf gegen den Nationalsozialismus und sendete aus der damaligen Sowjetunion mittels Piratensendern in Form vertonter Gedichte versteckte Botschaften gegen den Nationalsozialismus z.B. «Schlechte Zeit für Lyrik».

Nun sollte die multimediale Alphabetisierung voran getrieben werden, damit die Wissensgesellschaft aus den Fussstapfen der Informations- und Konsumgesellschaft zu treten vermag, die Bevölkerung zu einem aufgeklärten Umgang mit den Massenmedien findet und die Individuen sich in der Folge vom Empfänger zum Nutzer wandeln. Das heisst nicht, dass man gänzlich auf Unterhaltung verzichtet. Sie erfüllt durchaus eine wichtige Funktion. Dank der multimedialen Alphabetisierung können wir lernen, die medialen Inhalte sinnvoller zu verarbeiten. Wir lernen uns massvoller, gezielter in unserer medialen Umwelt zu bewegen.

Mit multimedialer Alphabetisierung ist nicht alleine das technische Verstehen und Beherrschen gemeint (lesen, schreiben). Vielmehr sollte man lernen, mit den Inhalten umzugehen. Hier sind analytische und Sinn gebende Kompetenzen angesprochen (verstehen, vergleichen, einordnen, verknüpfen, verbessern, erweitern, strukturieren, erzählen, veröffentlichen). Denn viel wichtiger als die Frage, wie die Medien funktionieren ist doch die Frage, wie die Menschen die Medien nutzen und wofür sie sie einsetzen.

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Multimedia und Dramaturgie http://www.blogmedia.ch/blog/multimedia-und-dramaturgie http://www.blogmedia.ch/blog/multimedia-und-dramaturgie#comments Wed, 13 May 2009 14:11:55 +0000 this http://www.blogmedia.ch/blog/?p=89 Beim Produzieren von Multimedia-Texten stützt man sich mit Vorteil auf die Erzählformen und dramaturgischen Mittel anderer Kommunikationsmittel ab: Rhetorik bringt dem Radio was, Radio bringt dem Podcast was, Filmsprache bringt dem Fernsehen was, Fernsehen bringt dem Videocast was. Dramaturgisches Schreiben bringt dem Printjournalismus was, Printjournalismus bringt den Podcasts was.

Grundsätzlich hat sich die mediale Form nach dem Inhalt zu richten und nicht umgekehrt.

Emotionale Elemente sind lernfördernd, sofern sie stimmig sind, nicht zu dominant in Erscheinung treten und die Aussage tragen, anstatt davon abzulenken.

Pausen zwischen Aussagen und Themensprüngen sind wichtig (insbesondere bei flüchtigen Medien). Sie ermöglichen es dem Nutzer mitzudenken und verhindern ein Abschalten. (Vgl. Hertha Sturms «fehlende Halbsekunde»)

Hier sei an Friedemann Schulz von Thuns und seines akademischen Ziehvaters Formel «KISSSS» erinnert: Keep it short, structurated, stimulating and simpel – zu deutsch: Halte es kurz, strukturiert, stimulierend und einfach.

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Wer hat Angst vorm Zauberkästchen http://www.blogmedia.ch/blog/wer-hat-angst-vorm-zauberkaestchen http://www.blogmedia.ch/blog/wer-hat-angst-vorm-zauberkaestchen#comments Tue, 21 Apr 2009 11:19:26 +0000 this http://www.blogmedia.ch/blog/?p=61 Mir graut vor der Vorstellung, dass es irgendwann ein Gerät gibt, mit dem man alles kann: telefonieren, browsen, private wie berufliche Termine vereinbaren, einkaufen, bezahlen, fernsehen, Filme schauen, Musik hören, Zeitung lesen, Musik einkaufen, zeichnen, malen, Hausaufgaben erledigen, Texte schreiben, Präsentationen erstellen und abspulen und und und.

«Wieso, das wäre doch unheimlich praktisch?», mag man sich fragen.

Klar, nur das ist gerade das Problem.

Man würde von dem Kästchen nicht mehr los kommen. Es käme häufiger zu Erscheinungen wie Phantonklingeln und bei Verlust oder Defekt würde man sich beinahe hilflos fühlen (man kennt die allgemeine Hilf- und Ratlosigkeit, wenn Computer, Netzwerk oder Internet-Verbindung der ganzen Abteilung nicht einmal funktionieren). Ein eindrückliches Beispiel zeigte eine Dokumentarsendung des Schweizer Fernsehens. Ein Mann meinte ob seinem defekten Computer: «Man fühlt sich nur noch als halber Mensch.»

Vor allem aber hätten man aber immer weniger Zeit. Die Pausen, welche gemeinhin beim Wechseln von einem auf das nächste Gerät eingelegt werden, fielen dahin. Und das Ablenkungspotenzial stiege.

Auf den Punkt gebracht: Je abhängiger wir uns von einzelnen Medien machen, desto abhängier sind wir davon – eigentlich logisch.

Wir sollten fähig sein, das Fernsehen aufzugeben oder es auf zwei Kanäle zu begrenzen.

Federico Fellini

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Landeskirchen und Alter sind schon lange am Puls des Internets http://www.blogmedia.ch/blog/landeskirchen-und-alter-sind-schon-lange-am-puls-des-internets http://www.blogmedia.ch/blog/landeskirchen-und-alter-sind-schon-lange-am-puls-des-internets#comments Sun, 19 Apr 2009 06:12:16 +0000 this http://www.blogmedia.ch/blog/?p=50 Man würde es beiden nicht geben. Sowohl die Generation 50plus als auch die beiden Landeskirchen nutzen das Internet. Und das tun sie schon lange. Seniorweb wurde vor über zehn Jahren gegründet. Seelsorge.net, ein auf Freiwilligenarbeit basierender Dienst der beiden Landeskirchen, besteht bereits seit 1995. Damals steckte das Internet noch in den Kinderschuhen.

Seniorweb ist eine Art Online-Zeitung und bietet weitere Informations- und Kommunikationsdienste.

Seelsorge.net ist seinem Konzept über die Jahre treu geblieben. Menschen können ihre Sorgen oder Glaubensfragen per E-Mail mitteilen und professionelle Seelsorger antworten ihnen, nach Prüfung und Verifizierung.

Sowohl Seniorweb als auch Seelsorge.net halten mit den technologischen Neuerungen Schritt. Sie setzen die ICTs gezielt ein. Aus medienpädagogischer Sicht sind beides Musterbeispiele für nutzerfreundliche informations- und kommunikationsorientierte Dienste.


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Das Weblog – zwischen Gegenöffentlichkeit und Karaoke-Journalismus http://www.blogmedia.ch/blog/das-weblog-zwischen-gegenoeffentlichkeit-und-karaoke-journalismus http://www.blogmedia.ch/blog/das-weblog-zwischen-gegenoeffentlichkeit-und-karaoke-journalismus#comments Sat, 26 Jul 2008 10:22:44 +0000 this formale MedienaspektegegenöffentlichkeitInhalteKaraoke JournalismusWeblog http://www.blogmedia.ch/blog/das-weblog-zwischen-gegenoeffentlichkeit-und-karaoke-journalismus An Weblogs lässt sich der Unterschied zwischen der formalen und inhaltlichen Komponente der Kommunikation schön aufzeigen.

Ist die Form von Weblogs, Podcasts und Konsorten grundsätzlich wie geschaffen zur freien Meinungsäusserung und Diskussion, so sind viele der Inhalte von einer Qualität, die mit “Karaoke-Journalismus” treffend umschrieben ist. Hier offenbart sich die Flüchtigkeit, mit der unsereins seine Meinung kund tut – erneut in Form (Rechtschreibung / Sprachstil / Struktur) und Inhalt (Allseitigkeit / Recherche / Prägnanz).

    Drei gute Gründe, die für das Weblog sprechen:

  1. Wer Zeit und Musse hat, kann mit wenigen Mitteln selbst ein Weblog eröffnen. Dadurch, dass Weblogs keine hohen Publikationshürden aufweisen, kommen Themen zur Sprache, die von Presse, TV und Radio vernachlässigt oder gar nicht erst aufgegriffen werden.
  2. Man ist im Internet viel freier, was die Selektion und Themensetzung betrifft. Man kann uninteressante Blogs links liegen lassen, beziehungsweise gezielt jene ansteuern, auf die das Gegenteil zutrifft.
  3. Meistens besteht die Möglichkeit, Feeback in Form von Kommentaren und Ergänzugen zu platzieren.

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Weizenbaum und seine Kritik http://www.blogmedia.ch/blog/weizenbaum-und-seine-kritik http://www.blogmedia.ch/blog/weizenbaum-und-seine-kritik#comments Thu, 20 Mar 2008 12:41:55 +0000 this http://www.blogmedia.ch/blog/weizenbaum-und-seine-kritik Joseph Weizenbaum, ein Pionier der Computerforschung und Kritiker der blinden Computereuphorie, ist am 7. März 2008 gestorben. Seine Kritik bleibt der Nachwelt hoffentlich erhalten.

In einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung, den er anlässlich seines Geburtstags verfasste, schrieb Joseph Weizenbaum:

“Die höchste Priorität der Schule ist es, den Schülern ihre eigene Sprache beizubringen, so dass sie sich klar und deutlich artikulieren können: in ihrer stillen Gedankenwelt ebenso wie mündlich und schriftlich. Wenn sie das können, dann können sie auch kritisch denken und die Signale, mit denen sie ihre Welt überflutet, kritisch interpretieren. Wenn sie das nicht können, dann werden sie ihr ganzes Leben lang Opfer der Klischees und Schablonen sein, die die Massenmedien ausschütten.

Quelle: St. Galler Tagblatt, 8. März 2008, S.30.

Aschenputtel Fernsehen und Prinzessin Multimedia
Der Computer hat als Vermittler von Information einen seriöseren Ruf als das Medium Fernsehen mit seinen flüchtigen Inhalten. Im Alltagsgebrauch, stehen Computer, insbesondere das Internet als Massenmedium, dem Fernsehen in wenig nach. Ungenügende Qualität der Inhalte und schlechte Darstellung dominieren. Wenn Medienanalphabeten Medientexte verfassen, kann man sich ausrechnen, was dabei heraus kommt.
Oder in den Worten von Weizenbaum:

Wir dürfen nicht vergessen, dass das Internet mittlerweile ein Massenmedium ist. Und es scheint beinahe ein Naturgesetz zu sein, dass jedes Massenmedium zu fünfundneunzig Prozent Unsinn produziert. [...] Es ist immer dasselbe: Am Anfang waren mit den Massenmedien – Radio, Fernsehen – Wünsche, Visionen und Hoffnungen verbunden. Man war allgemein optimistisch, sogar euphorisch. Man erwartete beispielsweise, dass die allgemeine BIldung der Menschen verbessert würde.

Quelle: Weizenbaum, Joseph: Wo sind die Inseln der Vernunft im Cyberstrom. Auswege aus der programmierten Gesellschaft. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 2006.

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Verlernt, Ziel und Tempo selbst zu bestimmen http://www.blogmedia.ch/blog/verlernt-das-tempo-zu-bestimmen http://www.blogmedia.ch/blog/verlernt-das-tempo-zu-bestimmen#comments Sat, 09 Feb 2008 10:01:23 +0000 this http://www.blogmedia.ch/blog/verlernt-das-tempo-zu-bestimmen Die Medienpsychologin Hertha Sturm hat in ihren Arbeiten vom «Entlanghangeln an Bildern» beim Fernsehen gesprochen, wenn die Schnitte und Themensprünge zu kurz aufeinander folgen. Es ist das Resultat einer schlechten Dramaturgie, der die nötigen «Halbsekunden» fehlen. Zuschauer sind auf Pausen angewiesen, damit sie dazu- und mitdenken können. Die Metapher des «Entlanghangelns» für die innere Reaktion auf unzureichende Wahrnehmungszeit («fehlende Halbsekunde») kann auf das Internet angewandt werden.

Eifrig wird verlinkt, was verlinkt werden kann – Motto: «Hauptsache nie langweilig». Der Nutzer hangelt sich in der Folge von Link zu Link, von Seite zu Seite, greift hier einen Abschnitt, dort ein Bild, hier ein Filmchen, dort einen Podcast, alles meist flüchtig, das wenigste ganz und oft eher zufällig als informationsorientiert. Kommt hinzu, dass viele Nutzer den wichtigen Inhalten auf dem Bildschirm nicht die volle Aufmerksamkeit schenken. Die Ursachen dafür sind vielfältig (eine neue E-Mail, eine aufmerksamkeitshaschende Flashanimation).

Im Endeffekt sind ist man danach nicht wirklich informationsreicher sondern zeitärmer. Die Nutzer fokussieren nicht, sie surfen vielmehr an den Themen vorbei.

Was fehlt sind erlernte Umgangsformen
Im Gegensatz zum Fernsehen können wir theoretisch selbst steuern, wie sorgfältig und weit wir Texte lesen, bevor wir zum nächsten Link springen und welche Seiten wir anklicken.

Das Problem ist nur, dass meist das Bewusstsein dafür fehlt, dass informationsorientierte Internetnutzung ein hohes Mass an Disziplin und Konzentration erfordert.



Weiterführende Links

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Und jährlich grüsst die Mitgliedschaft http://www.blogmedia.ch/blog/und-jaehrlich-gruesst-die-mitgliedschaft http://www.blogmedia.ch/blog/und-jaehrlich-gruesst-die-mitgliedschaft#comments Fri, 11 Jan 2008 09:57:27 +0000 this InformationsflutMitgliedschaftSpuren im Internet http://www.blogmedia.ch/blog/und-jaehrlich-gruesst-die-mitgliedschaft Elektronische Medien, genauer E-Mails, haben etwas Gutes. Pünktlich zum Geburtstag findet man in der Mailbox Glückwunschmails von Mitgliedschaften, die man online einmal eingegangen ist.

Einige dieser Glückwünsche sind erheiternd – etwa die Glückwünsche des Ecard Services Edgar. Andere mahnen einen, endlich mal die Mitgliedschaft zu künden und so den Mitgliedschafts-Dschungel von Internet Dienstleistern und Communities etwas zu lichten. “Hinfort mit den alten Zöpfen!”, schreit es innerlich.

Etwas lästig sind die Unkündbaren. Meistens sind dies Communities, die von der hohen Anzahl der vergessenen und verwaisten Mitgliedschaften profitieren. Es gibt zwar Wege und Mittel die Mitgliedschaft dort zu künden, aber man muss sich zuerst einmal über eine Suchmaschine schlau machen und lernt – unfreiwillig – den mehr oder meist weniger einfachen Weg, der zum Löschen der Mitgliedschaftsdaten führt.

Im Profil angelangt findet man dann alte Bekannte, die das einst aus Neugierde, hastig angelegte Profil meist vor vielen Monaten gefunden und eine Kontaktanfrage gesendet haben.

Da heisst es dann eisern bleiben und sich vom mühsamen Weg nicht kurz vor dem Ziel noch abbringen zu lassen, denn jährlich grüsst die Mitgliedschaft.

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